Dresden 21.-22. September 2017

„Konferenz der Konkurrenten“ – Die belebende Kraft des Wettbewerbs

 Kulturpalast Dresden

 

Im Jahr 2025 wird zum vierten Mal in der Geschichte der Initiative „Kulturhauptstadt Europas“ wiederum eine deutsche Stadt den begehrten Titel tragen. Das Land Slowenien stellt parallel dazu die zweite Kulturhauptstadt. Knapp ein Dutzend deutscher Städte befindet sich derzeit in dem anspruchsvollen Bewerbungsprozess oder erwägt zumindest eine Teilnahme am Wettbewerb.

Das Kulturhauptstadtbüro Dresden unter der Leitung von Stephan Hoffmann lud in diesem Kontext gemeinsam mit dem Netzwerk Kultur Dresden zur „Konferenz der Konkurrenten“ in den Kulturpalast der sächsischen Landeshauptstadt ein.

Eine Vielzahl von Vertreter_innen der potentiellen deutschen Bewerberstädte, Repräsentant_innen der Freien Szene der Städte, internationale Kulturhauptstadt-Expert_innen, sowie die interessierte Öffentlichkeit folgten der Einladung nach Dresden.

Die Veranstaltung wurde wissenschaftlich vom ECoC LAB (European Capital of Culture Laboratory) des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim unterstützt.

Auftakt der Konferenz war die öffentliche Veranstaltung mit dem Titel „Die Europäische Kulturhauptstadt: Erfüllte Hoffnungen, enttäuschte Erwartungen, dabei immer ein Gewinn?“, die am Donnerstagabend moderiert von Valentina Marcenaro im Foyer der Zentralbibliothek stattfand. Der Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters Dirk Hilbert folgten Pecha-Kucha-Vorträge von vier Expert_innen aus der Kulturhauptstadt-Praxis mit anschließender, für das Publikum geöffneter Fragerunde. In einem zeitlichen Rahmen von genau sechs Minuten und vierzig Sekunden und visuell ergänzt mit exakt zwanzig Bildern sprachen Jean-François Chougnet (Leiter von Marseille-Provence 2013), Else Christensen-Redzepovic (Leiterin von Sønderborg 2017), Ektor Tsatsoulis (Leiter von Kalamata 2021) und Cluny Macpherson (Senior Officer Leeds 2023) von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Format „Kulturhauptstadt Europas“ in Bezug auf eine nachhaltige Konzeptgestaltung, Prozessorientierung, den Umgang mit Europaskeptizismus und die ungeklärte Situation einer Kulturhauptstadt Europas im Vereinigten Königreich nach dem Brexit.

Der bewusst provokativ gewählte Veranstaltungstitel „Konferenz der Konkurrenten“ soll in ironischer Manier auf die belebende Kraft des fairen Wettbewerbs und der Kollegialität verweisen, ohne dabei zu verschweigen, dass es sich bei all dem guten Willen zur Vernetzung untereinander dennoch um eine Konkurrenzsituation zwischen allen Bewerberstädten handelt. Nur eine deutsche Stadt wird schließlich im Jahr 2020 von der europäischen Auswahljury zur „Kulturhauptstadt Europas 2025“ gekürt – vielleicht wird es Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Kassel, Koblenz, Magdeburg, Mannheim, Nürnberg oder Pforzheim. All diese Orte entsandten Vertreter_innen in die sächsische Landeshauptstadt, die sich mit ersten Konzeptideen und teilweise schon realisierten Maßnahmen am zweiten Tag der Konferenz vorstellten.

Mit einem Grußwort der zweiten Bürgermeisterin Dresdens und Beigeordneten für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch, ging es dann am Hauptveranstaltungstag der Konferenz laut Programm „An die Arbeit!“. Die 140 Teilnehmenden teilten sich am Freitagvormittag in zwei Gruppen auf. Die Mitarbeiter_innen der Konkurrentenstädte debattierten in drei diversen Gesprächsforen moderiert von Ektor Tsatsoulis (Kalamata), Kristina Jacobsen (ECoC LAB, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim) und Else Christensen-Redzepovic (Sønderborg) über die Aspekte der politischen Einbindung und Unterstützung, Wettbewerbsgestaltung und „Fair Play“, sowie über die Entwicklung eines nachhaltigen Plans B. In einem parallel stattfindenden Gesprächsforum trafen sich die Vertreter_innen der Freien Szene der deutschen Bewerberstädte, um unter anderem über die aktive Partizipation am Bewerbungs- und Durchführungsprozess zu diskutieren.

Gemäß dem Motto „Alles mit allen“ kamen am Nachmittag die Konferenz-Teilnehmer_innen der Freien Szene und die städtischen Mitarbeiter_innen zusammen, um in neun zeitgleich angebotenen Workshops die inhaltlichen Hauptaspekte Identifikation, Räume und Politik gemeinsam zu erörtern. Vorbereitet und umgesetzt wurden diese Diskussionsforen von den Mitgliedern des Netzwerks Kultur Dresden. Ihr übergeordnetes Ziel war die gemeinschaftliche Ermittlung grundlegender Fragen einer Kulturhauptstadt-Bewerbung, die sich den Herausforderungen der Zukunft Europas stellt.

Die Dresdner „Konferenz der Konkurrenten“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe von Foren, die im Juni 2017 mit der Konferenz „Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025“ auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim ihren erfolgreichen Anfang nahm. Als Plattform für den fachlichen Austausch der deutschen Bewerberstädte, sowie für alle Interessierten sollen derartige Veranstaltungen auch weiterhin als gemeinsamer Think Tank fungieren und als Impuls gebende Katalysatoren den Bewerbungsprozess bereichern. Ende des Jahres wird die Veranstaltungsreihe mit einer weiteren Tagung fortgeführt. Stephan Hoffmann, Leiter des Kulturhauptstadtbüros Dresden, übergab am Konferenzende symbolisch den Staffelstab an Chemnitz. Die Konkurrentenstadt im Südwesten des Freistaats Sachsen richtet vom 13. bis 15. November 2017 die Tagung „STAT(D)T KULTUR: CHEMNITZ 2025. Europäische Impulse zu kultureller Strategie und Kulturhauptstadt“ aus.

 

Fotos © Klaus Gigga, Anne-Sophie Malessa