Berlin 24. Sept. 2018

Neun Städte, ein Ziel
Bewerberstädte für den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ vernetzen sich

 

Der Startschuss für das Bewerbungsverfahren deutscher Städte um den Titel der “Kulturhauptstadt Europas 2025” fiel am 24. September 2018. Dann veröffentlichte die Kulturstiftung der Länder im Auftrag der Kultusministerkonferenz die offizielle Ausschreibung für das nationale Auswahlprocedere. Zu diesem Anlass veranstaltete das ECoC LAB (European Capital of Culture Laboratory) ein Treffen für diejenigen Städte, die bereits einen politischen Auftrag der zuständigen Gremien haben, sich als Kulturhauptstadt Europas 2025 zu bewerben. Dazu zählen derzeit Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg, Pforzheim und Zittau. Gleichermaßen richtete sich die Veranstaltung an Städte, die eine Bewerbung noch erwägen.

Das ECoC LAB begleitet den Bewerbungsprozess in Deutschland seit über einem Jahr wissenschaftlich und hatte bereits im Juni 2017 zum „Kulturhauptstadtforum“ an seinem Standort, dem Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, eingeladen. Seitdem veranstalteten auch die Bewerberstädte Dresden, Chemnitz und Magdeburg ähnliche Konferenzen, bei denen sich verantwortliche Mitarbeiter aus den jeweiligen kommunalen Kulturabteilungen oder bereits eingerichteten Bewerbungsbüros sowie Akteure der Freien Szene und interessierte Bürgerinnen und Bürger informieren und austauschen konnten.

 

Entwicklungsschub über Landesgrenzen hinaus

Deutlich wahrnehmbar ist in der Reihe dieser Konferenzen die Professionalisierung der Beteiligten – und damit nicht zuletzt auch der EU-Initiative „Kulturhauptstadt Europas“. Denn das Voneinander-Lernen erfolgte ganz im Sinne der EU-Vorgaben grenzüberschreitend. So wurden bei allen Konferenzen Experten aus anderen Kulturhauptstädten aus dem EU-Ausland eingeladen, um von ihren Erfahrungen zu berichten und Best-Practice-Beispiele vorzustellen. In der Bewerberstadt Magdeburg gab es ein Treffen mit den drei Kandidatenstädten aus Slowenien, wo 2025 ebenfalls – als Partnerland zu Deutschland – der Kulturhauptstadttitel verliehen wird. Fast alle deutschen Bewerberstädte entsandten Delegationen in die erfolgreiche Kulturhauptstadt Aarhus 2017 oder in diesem Jahr nach Leeuwarden-Fryslân, um für ihr Vorgehen zu profitieren.

Das jüngste Treffen der Bewerberstädte am 24. September fand in Berlin statt und hatte ein zweigeteiltes Programm: Am Vormittag gab es vier Panels auf Arbeitsebene, an denen nur Vertreter der Bewerbungsbüros teilnahmen. Der zweite Teil war am Nachmittag öffentlich: eine Podiumsdiskussion zum Thema „Chancen und Potentiale der ECoC-Bewerberstädte für die deutsche Kulturlandschaft“.

Für die ersten drei Panels gab es vorgegebene Themen, zu denen jeweils die Leitung aus drei Bewerberstädten einen inhaltlichen Impuls gab. Stephan Hoffmann (Dresden) referierte über den „Umgang mit den dunklen Seiten einer Stadt“ – eine Herausforderung, der sich sein Bewerbungsbüro bereits mehrfach gestellt hat, u.a. bei der von ihm organisierten Diskussionsrunde zwischen den beiden Dresdner Schriftstellern Durs Grünbein und Uwe Tellkamp, die im März dieses Jahres für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Thomas Harling präsentierte „Kooperationsansätze mit Akteuren der Freien Szene“ aus Hildesheim.   Hilfreich in Bezug auf dieses Thema ist sicherlich, dass sich Vertreter der Freien Szene schon mehrfach bei den Kulturhauptstadtkonferenzen und weiteren Treffen über mögliche Kooperationen ausgetauscht haben. Sie veröffentlichten im September einen gemeinsamen Aufruf für mehr Mitspracherecht und eine bessere finanzielle Ausstattung im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung, der bei der späteren Diskussion vorgestellt wurde.

Wiepke Steudner stellte den „Einbezug des ländlichen Raums in die ECoC-Konzeption“ der Stadt Zittau vor. Dieses Thema ist für kleinere Bewerberstädte von besonderer Bedeutung, und bietet sich mit historischen und aktuellen europäischen Bezügen für das im Dreiländereck gelegene Zittau ohnehin an.

 

Die Kulturhauptstadt ist auch Bundesangelegenheit

Nach einem Infogespräch zu praktischen Fragen bei der Kulturhauptstadt-Bewerbung mit Bettina Steindl, der Leiterin des Bewerbungsbüros der österreichischen Stadt Dornbirn und Linda Lücke von der Kulturstiftung der Länder, die nun offiziell das Bewerbungsverfahren koordiniert, war die Öffentlichkeit eingeladen, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen.

Nadja Grizzo (Beraterin für Kulturhauptstädte), Klaus Hebborn (Deutscher Städtetag) und Olaf Zimmermann (Deutscher Kulturrat) diskutierten mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Kristina Jacobsen (beide ECoC LAB) die Bedingungen, unter denen die deutsche Kulturlandschaft von der Kulturhauptstadt-Reihe profitieren kann und wie die erarbeiteten Potentiale in den Städten, Regionen und darüber hinaus erfolgreich erhalten und weiterentwickelt werden können. Vor allem das Plädoyer Olaf Zimmermanns für eine stärkere Beteiligung des Bundes in der Initiative soll hier hervorgehoben werden.

Bis zur Abgabe der Bewerbungsunterlagen am 30.09.2019 wird es voraussichtlich weitere Begegnungsformate zwischen den Städten geben, die den Titel der Kulturhauptstadt Europas anstreben. Zu hoffen ist, dass ihr Dialog nicht nur dem individuellen Vorankommen, sondern weiterhin dem Spezifikum der Initiative dient, nämlich den kulturpolitischen Diskurs auf kommunaler, regionaler, Bundes- und EU-Ebene voranzubringen.

 

Kristina Jacobsen

 

 

Es diskutieren (v.l.n.r.) Kristina Jacobsen, Klaus Hebborn, Nadja Grizzo, Olaf Zimmermann und Prof. Wolfgang Schneider

(Fotografin: Meike Lettau © Universität Hildesheim)